Rad am Ring | 2014

07.07.2014 – Die Entscheidung

Ich bin nun seit gut drei Monaten im Besitz meines Storckis und habe erfolgreich die ersten 1000km abgespult. Klar, hier drückt dann doch der Sattel noch etwas und da passt der Lenker nicht so wirklich, aber hey: Es ist noch kein Radmeister vom Himmel gefallen. Und der nächste Lance werde ich auch nicht mehr.

 

Ich sitze abends am Rechner und klicke mich durch die Seiten von Rad am Ring... Mein Kopf stellt viele und gleichzeitig auch echt hässliche Fragen: Bist du dir sicher, dass du das schaffst? Da fahren tausende Radsportler mit und du bist so unsicher, dein Ernst? Du bist bisher nur 60-80km Distanzen gefahren, nun also 150km? 

 

Ihr merkt also, mein Kopf war voll. Doch hier tat sich Nando als echter Gedankenentschleuniger hevor. „Ben, ich fahre mit und bin dein Betreuer!“ Echt jetzt? Jo, habe ich Bock... Das Tag Team Rad am Ring stand also fest. 

 

Mein Wille, gleich die lange Distanz abgesehen der 24h Angebote zu fahren, kann man zu 50% als Größenwahn und 50% anerkennenden Ehrgeiz werten (jeder der sich gerade denkt, ich rede mir den Ehrgeiz Anteil schön, hat natürlich vollkommen Recht :D)

 

Wisst ihr eigentlich, weshalb ich mich für die Nordschleife entschieden habe? Als Radrennen? Als erstes Rennen? Zu Zeiten, als es mit der Sportlichkeit und mir eher so harmonisch bestellt war wie die Beziehung von Mercedes und BMW im Autobauer Business, betätigte ich mich tatsächlich lieber sportlich, aber motorisiert mit 4-, 6- oder 8-Zylindern. Sprich, ich bin mit diversen Autos auf dem Nürburgring oder Hockenheimring meine Kurven gedreht oder gedriftet. Nun wollte ich mir beweisen, dass es auch aus ganz eigener Kraft geht. Ohne wirklich zu ahnen, was der Körper so an Schikanen bereit hält.

 

25.07.2014 – Gefühle am Vortag

Nun ist es soweit. Einen Tag vor der bis dato größten Herausforderungen meines Lebens, sportlicher Natur! Seit 29.12.12, dem Kick Off zu Abnehmralley, ist verdammt viel in meinem Leben passiert. Und damit meine ich nicht nur die 55kg Gewichtsverlust. Es ist der Punkt, an dem ich mich von Herzen für offene Ohren, aufbauende und motivierende Gespräche, herzliche Gesten und den unendlichen Zuspruch an Mut bedanken möchte. Ich starte morgen bei Rad am Ring über die 150km Distanz, weil ich natürlich hart dafür gearbeitet und trainiert habe. Doch vorallem weil jede(r) Einzelne von euch mich gepushed und ermutigt hat, egal wie "verrückt, wahnsinnig oder krank" es scherzhalber bezeichnet wurde. "Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, welche dem Leben seinen Wert geben." Danke!

 

26.07.2014 – Race Day

Der Team Bus ist gepackt, die Stimmung ist gut. In bester Selbstversorgermanier reisen Nando und ich am Renntag an. Die Aufregung ist echt spürbar. Ich zweifle und frage mich, warum ich das eigentlich machen will. Benjamin, bist du dir echt sicher? Ja verdammt, Schweinehund, bin ich!

 

Registrierung check, Rad check, ab auf die Start/Ziel Linie. Wisst ihr, Rennradfahrer sind teilweise ein bescheuertes Volk. Ich habe keine weißen Socken an und werde von einigen seltsam angeschaut. Ich trage Team Sky Kleidung, weil ich das schwarz als Grundton einfach mag und werde gefragt, ob ich für das Team fahre. Mit abfallendem Unterton selbstverständlich. Ich bin echt bedient, kein netter Plausch bis hier her. Nur verbissene und bis zum Anschlag gespannte und somit unentspannte Menschen, denen der Blick für die Situation völlig abhanden geht. Es geht los, zu Andreas Bouranis „Auf uns“ rollen wir über Start Ziel und mir stellen sich die Härchen am Körper auf, ich habe Gänstehaut. Bin überwältigt von der Kulisse aus Start Ziel Geraden, Boxengasse zu meiner Rechten, Zuschauertribüne zu meiner Linken und vor mir, der Sprecher, der uns anpeitscht. Hallo Adrenalin, schön dich dabei zu haben...

 

Die Erste Runde, das erste Mal die Camper im Motordrom, und wieder heraus, durch die Warsteiner Kurve im ersten Rückstau. Nando, alles safe signalisiere ich mit einer Handbewegung. Fuck, ich bin immernoch aufgeregt. Neben mir hektisches Gedränge, um einen guten Platz in Richtung Fuchsröhre zu erhaschen. Und  auf einmal wird es steil, seeehr steil. 60... 65.... 70... 75... 85... 90... KMH! Meine Knie wurden schon weich, dass  kann ich versichern. Natürlich passierte auch das unvermeidliche, ich sah einen Radsportkollegen auf der Straße liegen, RTW daneben, ihn hatte es böse erwischt.

 

Von Adenauer Forst bis Hohe Acht ist die Nordschleife eine ziemlich hässliche Zeitgenossin mit Sinn für das Testen der Leidensfähigkeit der Fahrer. Es geht noch ein wenig bergauf und bergab und am lieben Tiergarten (kennt ihr diese fießen Steigungen, die endlos geradeaus laufen und man sie sehen kann und deswegen unendlich schwer werden? – welcome to Tiergarten) stand die letzte moralische Prüfung an. Sechs lange Runden bringen einen mental auch mal in Schwung, oder tun auch nur weh. In runde vier hatte ich meine erste Identitätskrise auf dem Renner und fragte mich, warum ich eigentlich fahre, denn es tut alles einfach nur noch weh. Zu dieser Zeit gab es auch ein e-Bike Rennen. Und (ich habe nun wirklich garnichts gegen e-Bikes) einer dieser Fahrer war wohl besonders gut gelaunt und began, mich an der hohen Acht vollzuquatschen. Das es ja landschaftlich mega schön sei, die Verpflegung an den Stationen köstlich und das er sogar neue Akkus bekommt. AAAAALTER :D Was ist hier los, ich war froh als er an seinem Akku Stand zurück blieb und ich mich das Brünnchen hinunter werfen konnte.

 

Doch das eigentliche Highlight war meine Begegnung mit Rita Zinnen in der letzten und sechsten Runde. Wir waren beide völlig am Ende, mental und körperlich. Nur Rita hatte zu allem Übel auch noch Krämpfe. Auf Höhe des Brünnchens haben wir dann begonnen uns zu unterhalten und ich bot ihr an, in meinen Windschatten zu gehen. Wir redeten uns also gegenseitig stark und schafften es ins Ziel. Hand in Hand... Schade, dass es hiervon keine Bilder gibt. Aber emotional etwas ganz einmaliges! 

 

Ich bin überwältigt von eurem Feedback, den motivierenden Worten, der Anerkennung. Ich habe es tatsächlich geschafft. Platz 228 v. 439. ich bin einfach nur stolz und danke euch von Herzen. Einen besonderen und herzlichen Dank gilt jedoch meinem Manager/Versorgungsstation/Motivator und Organisator Nando! Du hast mir quasi bis auf die Fahrerei alles von den Schultern genommen und ich weis das sehr zu schätzen! :-) Danke! Danke! Danke!