2012...                                                                                              die Welt ging nicht unter (trotz Maya Kalender ), sie änderte sich für mich jedoch von Grund auf...!

Erstens - Drama Baby, Drama!

 

Ich hatte mich gerade zum 01. September 2012 beruflich verändert, nachdem ich mich in aller Ruhe über einen Zeitraum von 9 Monaten bei meinem Arbeitgeber in eine Sackgasse manövriert hatte, denn die mir wichtigen handelnden Personen mussten von Board gehen.

 

Anstelle jedoch zum 01.09. zu erhalten, wofür ich die Veränderung einleitete, sollte erstmal die totale Vollkatastrophe folgen.

 

11. September 2012, ich habe als meinen elften Arbeitstag - der damalige CEO (heute nicht mehr ;-) hatte einen schlechten Geschmack in Sachen Theatralik - sollte sich als ernstzunehmende und prekäre Situation herausstellen. Für das Unternehmen, für meine neuen Kollegen und mich!

 

Wir wurden informiert, dass die Dachgesellschaft in Deutschland sich mit einigen Tochtermarken konsolidiert. Das klingt hochtrabend, wichtig und wurde als die ultimative Erfolgsstory aufgebaut. Hinter der Fassade lag die einfach Inhumane Management-Intension: Kosten einsparen - statt wachsen!

 

Die Gleichung des Investors lautete: Weniger Firmen = weniger Kosten = mehr Profit. Ein geradezu typischer Verlauf im Wirtschaftsgeschehen. Die Frage aller Fragen war nun, den Exit in der Probezeit zu suchen, oder sich durchzubeissen. Die Entscheidung fiel auf Option II. Ihr fragt euch an dieser Stelle zurecht: "Hey Ben, was soll das denn nun? Du kündigst im Begrüßungswort Veränderung und Sport als Kernthemen an, und dann redest du uns mit deinem Job ins Koma."

 

Okay, ich gebe euch recht. Doch wie bei vielen Dingen im Leben ist die Sachlage immer etwas komplexer, und um meine emotionale Lage darzustellen, war diese Einleitung nötig. Denn... die Situation sollte durch die ganze negative Energie den Grundstein legen, daraus etwas extrem Positives zumachen.

 

*Anmerkung zum Bild: So sah ich zum Zeitpunkt des Arbeitgeberwechsels aus, 210cm groß und 175kg schwer.

Zweitens - Hey! Oh! Let's Go!

 

Wir schreiben mittlerweile Dezember 2012. Mein Arbeitgeber befindet sich, wie schon ausführlich beschrieben, durch die Restrukturierung in der totalen Selbstverwaltung. Ich nannte es gerne zynisch "Projekt Titanic", und die Gute war volle Kraft voraus auf Kollisionskurs. Anmerkung: Die Situation war der mit Abstand am Schlechtesten gemanagte Change, den ich in meinem beruflichen Dasein bis heute erlebt habe). Mein Glück? Ich fand einen unfassbar tollen Kollegen und Freund in Hamburg, der mich unterstützte, meine Nische in diesem "Laden" zu fIndien. Aus der gefühlten Rettungsinsel entwickelte sich ein motorisiertes Rettungsboot. Mein Job war save.

 

Kommen wir zur mentalen und physischen Lage - es war grässlich. Es musste ganz dringend etwas passieren. Jeder Gang zu Fuß in den damals 5. Stock des Alu-Turms erwies sich als Qual oder "gefühlten“ Marathonlauf. Die Belastung für meinen Körper war enorm, selbst Schuhe binden im Stand war kompliziert. 175kg drückten einfach gnadenlos. Ich schnaufte und war schlicht und ergreifend nach jeder Form von körperlicher Betätigung platt, Anzuggröße 126!!! Eine Schmach beim einkaufen.

 

Meine Migräne Erkrankung hatte sich zu TOP-Niveau eingeschwungen, weshalb Maxalt ein Grundnahrungsmittel danstellte. Bei 8-10 Attacken pro Monat kein wunder. Man braucht kein Mediziner sein um zu bemerken, das hier Warnsignale meines Körpers in rauen Mengen vorlagen.

 

Aber, sind wir ehrlich. Es war nicht so, als hätte ich die Abnehmerei in den Jahren zuvor nicht schon mehrfach probiert. Almased, Abnehmprogramme, FDH, Kohlsuppe, Trainingsprogramme und Coachings in teueren Fitness Studios. Alles wurden versucht, und doch hatte ich nichts gewonnen. Nach ein paar Wochen fiel ich immer wieder zurück in die gewohnten Muster. "Ach komm', heute machst du eine Ausnahme." Dieser Gedanke war, ist und wird immer der Anfang vom Ende sein. Warum (ich bin mir ziemlich sicher eine gute Erklärung hierfür gefunden zu haben), werde ich noch erläutern. In Summe hatten alle Firmen an meiner misslichen Lage verdient, für die ich ganz alleine verantwortlich war, nur ich kam mit meinen Zielen nicht weiter.

 

Es musste etwas erst etwas skurriles passieren. Die nicht gerade für Wohlfahrt und karikative Zwecke bekannten Jungs und Mädels von oder  hauten eine Marketingoffensive im Q4/2012 raus. Oliver Kahn erzählt im Werbespot von 10kg Gewichtsverlust und "Bananen essen geht in Ordnung". "Ja ja, Marketing bla bla...!" denke ich. Doch wer mich privat etwas näher und vor allem länger kennt weis, dass ich früher (wir reden hier von 12 Lenzen und jünger) auf 8 von 10 Fotos mit Oliver Kahn Trikot zu sehen bin. Am 29.12. hatte mich die Company vom Big Apple im Sack, ich kaufe mir ein Abo. Warum aber gerade WW?

 

Ich darf mich zur wissenschaftlich so schön auserkorenen Generation Y zählen. Somit soll ich per Definition technikaffin sein, sprich die Grenzen zwischen On- und Offline Verhalten verschwinden. Wir denken in digitalen Systemen und Prozessen. Check ;-)

 

Zu dieser Zeit transferiert WeightWatchers sein Geschäftsmodell ins 21. Jahrhundert. IOS App statt Treffen, Datenbank statt Buch und Tabellen mit Punkten zum ausrechnen auf einem Vordruck. Ich installiere die App auf meinem iPhone und bin ab sofort immer im Bilde, wie hoch mein Punktebudget auf Tagesebene ist. Via Datenbankzugriff habe ich den Überblick über alle Lebensmittel. Fehlt eines, wird es einfach nachgepflegt. Volle Kontrolle in der Hosentasche, MEGA! Ich bin gerüstet, fehlt nur noch mehr Datenvolumen :D

 

*Anmerkung zum Bild: Auf dem Weg mit dem Zug nach Hamburg im Dezember 2012. Typisch, in den Schal versunken um das Doppelkinn zu vertuschen...

Drittens - Ernährung ist nicht genug!

 

Die ersten 15kg waren geschafft und ich war mehr als Stolz. Drei harte Monate lagen hinter mir, in denen kein Tag ohne App verging. Wasser - 0 Punkte. BigMac - 17 Punkte ahhh fu** lieber nicht. Crossino Honigschinken - 7 Punkte nehm' ich!

 

Die Routine war eingeschliffen. Durch dieses verdammte Punkte zählen waren Dinge, die "man eigentlich weis", omnipräsent. Beispiel: Maxi Menü BigMac, Cola, Pommes Mayo gewinnt keine Goldmedaille bei Foodwatch, wissen wir alle. Das jedoch 60 Punkte meines individuellen Tagesbudget (70 Punkte zum Start, siebzig, ganz genau! :D) mal eben dafür verbraten wurden, M'kay. Zu meinen besten Zeiten habe ich mal eben zwei davon vernichtet und danach noch schön einen McFlurry oben drauf. Klar, man gönnt sich ja sonst nichts... 

 

Durch solche Erlebnisse wuchs das Bewusstsein für "gute" und "schlechte" Lebensmittel spielerisch. Ihr fragt euch nun vielleicht, was mit Sport los war zu diesem Zeitpunkt? NICHTS! Ich nenne diesen Schlüsselfaktor "selbstbestimmt sein". Natürlich hat die App immer herumgemäkelt, ich solle mich doch bewegen. "Hey Benjamin, 15 Minuten Treppen steigen verschaffen dir 5 Punkte." Willkommen in den Sirenen Gesängen der WW App. Diese Art von Animation wird aber noch von Polar getoppt, die ernsthaft vorschlägt, 5 Stunden zu backen, um sein tägliches Bewegungspensum zu erreichen. WW und Polar hAbend offensichtlich die gleiche Kreativabteilung für Bewegungsvorschläge. Wie solle man sich das sonst erklären :D

 

Aber hey, zu meiner Ehrenrettung. In der Mittagspause bin ich beispielsweise schon den einen Kilometer zu Vapiano gelaufen, anstelle zu mit dem Auto fahren, oder habe auch Konsequent die Treppe (also 4x am Tag :D) genommen, anstelle Fahrstuhl zu fahren. Finito de la musica.

 

Meine persönliche Empfehlung: Es ist schon ein enormer Schritt, überhaupt seine Ernährung vollständig umzubauen. Nehmt euch diese Zeit! Lasst euch nicht von eurer Umwelt stressen! Das meine ich als ehrlichen und gut gemeinten Rat! Ihr fahrt doch auch nicht Fahrrad und malt nebenbei ein Bild?!

 

April 2014 hatte ich als Phase des Stillstands akzeptiert. Es machte sich aber der Gedanke breit, dass ich etwas dagegen unternehmen muss. Rückwirkend betrachtet bin ich der festen Überzeugung, die Kraft und den Willen zur erneuten Veränderung bzw. Weiterentwicklung konnte ich nur aufbringen, weil das Thema Ernährung in über vier Monaten in "Fleisch und Blut" übergegangen war. Mich hat essen gehen nicht mehr gestresst, ich habe mir keine Fragen mehr zum Abendessen gestellt. Es war klar, was auf Dienstreisen gegessen werden konnte, welche Snacks gepasst haben. Die Automatismen waren alle da.

 

Mein Kopf hatte Platz für neue Themen, die es einzustudieren galt. Ich fasste den Entschluss, Sport zu machen... Endlich auf Punktejagd gehen und die Sirenengesänge der App mal auf Nachhaltigkeit prüfen. Sport, ich komme... Wuhuuu :D

 

*Anmerkung zum Bild: Auf dem Weg mit meinem Dad zum Fußball, gut 15kg leichter.

Viertens - Danke Servicewüste!

 

 

Die Studiolandschaft in Deutschland ist nicht gerade das, was man als unterrepräsentiert bezeichnen darf. Budget- bis Premiumanbieter, sprich 15,- bis 150,-€ Monatsbeitrag. Es gibt viele Möglichkeiten, sich als Sponsor oder aktiver Nutzer des jeweiligen Studiobetreibers einzubringen ;-)

 

Die teuren Studios hatte ich allerdings vor 2012 bereits durch. Die dort vorherrschende "viel hilft viel" Mentalität überforderte mich (und meiner Meinung nach alle Menschen, die sich auf mehreren Ebenen verändern wollen). Wer braucht einen Trainer, der sagt: "Hey Ben, es wäre super wenn du zwei, ach komm', besser gleich drei oder vier mal pro Woche trainieren kommst. Mach so 90 Minuten, mindestens!" Ähm ja - logolette! Hier steht ein 160kg Berg vor dir, der froh ist wenn er nach 15 Minuten Cardiotraining noch die Dusche erreicht. Und nun soll hier am Besten gleich einziehen... :D

 

Leute, ich war ungefähr immer so faul wie ein Seelöwe nach dem Mittagessen auf seinem Felsen liegend - und nun soll ich im Studio mehrmals pro Woche eskalieren. Never ever. Meine Lösung für das "Problem". Such' dir ein Studio, in dem es den Mitarbeiter*innen (sorry für den Ausdruck) scheißegal ist, wann und wie oft du trainierst. McFit wurde meine erste Anlaufstelle. Auch, weil ich beruflich schon zu dieser Zeit viel unterwegs war und somit deutschlandweit trainieren konnte.

 

Es war genau die richtige Entscheidung. Ich erhielt meinen doofen Trainingsplan, eine Einweisung in die Cardiogeräte und Geräte. Und ab diesem Zeitpunkt war ich auf mich gestellt. Ich startete 1x wöchentlich: 20 Min. Cardio, Trainingsplan und Stretching. Danach hatte ich für eine sektionale Sinnflut im Cardiobereich gesorgt, Seenotrettungsübungen wurden abgehalten - faszinierend wie ein Mensch so transpirieren kann, wenn er faul war :D Mein Kopf konnte farblich mit jeder Tomate mithalten (nicht die wässrigen aus Holland) und mein Körpergefühl war - verändert.

 

Ihr wisst was nun kommt. Wieder die Routine einüben. Also machte ich genau diesen Plan über mehrere Wochen. Und siehe da: Die Lust, MEHR zu machen, kam langsam, aber stetig von ganz alleine. Dass hier kein falscher Eindruck entsteht: Es war mehrere Wochen eine unerträgliche Pflicht, ins Studio zu gehen. Die Minuten auf dem Cardio fühlten sich an wie Stunden. Kennt ihr kleine Kinder, die trotzig und bockig einen Gegenstand wegwerfen, weil sie etwas anderes haben wollten, aber es nicht bekommen. Nun habt ihr genau meine mentale Verfassung vor Augen. Nur, dass ich zu schlecht trainiert war, um ernsthaft Hanteln mit schweren Gewichten durch die Gegend zu werfen ;D

 

Die Pflicht wurde zur Routine und nun passierte folgendes: Auf einmal sind 20 Min. so schnell vorüber oder die Gewichte so leicht, dass man freiwillig mehr macht. Und so steigerte ich die Studiobesuche in der Frequenz auf 2-3 pro Woche. Zugegeben mit einem Hang zum Rad fahren auf dem Cardio. Die nächste Idee bahnte sich an: Ich möchte ein Fahrrad.

 

*Anmerkung zum Bild: Das Bild ist im Sommerurlaub 2013 entstanden, gut 17,5kg leichter.

Fünftens -  Schwerlastenrad gesucht!

 

Der Herr möchte ein Fahrrad, TOP Idee! Gut, dass ich mit meinen 150kg noch immer im September/Oktober 2013 zu den Sumo's unter den Radfahrern und Menschen unter uns zälteste...

 

Meine Partnerin hatte einen Kontakt zu einem kleinen Radladen in Wald-Michelbach, dem ich nachgehen wollte. Ja, zugegeben ist das genau so ein Kaff, wie es der Name auch anhört. Aber Kai und Marco von KM Bikesport waren (und sind!) einfach klasse. Mehr dazu unter "Radkauf - die Erste". Kurzum hatte ich mein erstes Ghost Bike gekauft und einen bitterkalten Winter auf selbigen vor mir.

 

Sensationell! Krafttraining im Studio, Cardio auf dem Ruderergo oder mit dem MTB vor der Tür, bei Wind und Wetter (ausser kalt und nass oder nur nass, dass geht garnicht ;D). Am Tag oder in der Nacht. Kleidung, Schutzbleche und Lampen waren die Lösung, um Ausreden unmöglich zu machen.

 

Der Moment, als Sport von der Last zur Lust in meiner Wahrnehmung switchte, war etwas sehr Besonderes. Auf einmal genoss ich es richtig, mich auszupowern. Mal den ganzen privaten und beruflichen Schrott hinter mir zu lassen und einfach bei mir zu sein, seinen Körper zu fühlen, der ja zwischenzeitlich deutlich Fettmasse federn lassen musste. Stellt euch vor, ihr düst mit eurem Bike durch den kalten Winter. Ihr spürt die Kälte bei der Abfahrt an den Armen, den Beinen, im Gesicht. In der Ebene beginnt der sanfte Widerstand und somit gerät auch die Muskulatur in Bewegung. Spätestens bei einer Bergaufpasse spürt man das warme Blut durch jede Faser und Ader des Körpers fließen, es wird einem ganz natürlich warm - von innen heraus. Es fühlt sich so wirklich, so echt, so authentisch an. Als ob man das Leben auf eine intensive neue Art fühlen kann. Unbeschreiblich!

 

Es war übrigens auch die Zeit, in der ich zum zweiten Mal eBay mit unzähligen Artikel flutete. So schön es ist, abzunehmen. Wenn die Pfunde purzeln, ist das auch mega teuer :D Insgesamt hat sich mein Kleiderschrank während der gesamten Abnehmzeit 3x gedreht, mein Konto noch deutlich häufiger ;)

 

Leider gab es auch sehr unschöne Entwicklungen in dieser Zeit. Sich in einem solchen Maße zu verändern bedeutet auch, sich ein Stück weit neu kennenzulernen. Es änderte sich bei mir einfach alles, eben nicht nur Gewicht und optische Erscheinung, sondern z.B. auch meine Haltung zu vielen materiellen Dingen. Offensichtlich war ich damit auch nicht mehr der Mensch, den meine damalige Partnerin einmal kennenlernte. AMG, V8 und Hubraum oder Moet Ice und Print Media Lounge interessiert mich nicht mehr, sondern die Begeisterung wechselte hinzu Radtouren im Wald. Schaut mal: Da fährst du Mackenheim hinauf (ja, auch dieses Dorf ist genau so eine Art von Kaff', nach der es sich anhört ;): Ein Eichhörnchen am Straßenrand, dass mich anstarrt, während ich mich langsam an ihm vorbei den Berg hinauf schiebe. Bis heute bin ich mir übrigens nicht sicher, ob es aus Mitleid zuschaute oder aus seiner Schockstarre nicht mehr heraus kam, da ich dann doch um einiges größer bin als so ein kleines Ding. :D

 

Der Moment, wenn die Stille im Wald so beängstigend und beruhigend zugleich ist, dass dir Rehe als stille Zuschauer begegnen. Wenn du mitten in der Nacht in die Pedale trittst und dich auf den Lichtkegel deiner Lampe fokussierst. Wenn du beim 14, 15, 16 Versuch einen Anstieg hinauf fährst, an dem du vorher immer kapitulieren und absteigen musstest, um die letzten Meter zu schieben. Genau dann begreifst du, wie wundervoll Leben sein kann. Wie wenig es braucht, um glücklich zu sein, wie gut es sich anfühlt, bei sich zu sein.

 

Wir trennten uns letztlich kurz vor Weihnachten, und so musste ich das erste Mal lernen, Kummer nicht mit Frustessen zu kompensieren. Sondern etwas anderes machen. Es funktionierte :-)

 

Zu dieser Zeit kam übrigens ein Film in die Kinos, den ich bis heute als einen meiner Liebsten überhaupt betrachte:  Das erstaunliche Leben des Walter Mitty. Er ist für mich Inspiration, Substanz, und Leitbild zugleich. Ich habe hier meine ganz persönliche Review heruntergetippt.

 

 

*Anmerkung zum Bild: Im Dezember 2013 bin ich über 30kg leicher und trage einen Anzug, in den ich zuletzt 2007 hinein passte.

Sechstens - Nur die Harten kommen in den Garten - oder in die Grüne Hölle

 

Leute, ich war fast am Ziel. Ich meldete mich zu Rad am Ring 2014 an. Meinen Traum verwirklichen, endlich mit dem Rad die Strecke zu fahren, die ich früher mit dem Auto umrundet habe.

 

Was fehlte? Ein Rennrad (mehr dazu hier) und das passende Gewicht. Ich wollte unbedingt auf 115kg herunter. Also verfolgte ich konsequent mein magisches Dreieck aus Ernährung, Studio und Fahrrad fahren. 

 

Mittlerweile gab es keine Dellen und Komplikationen mehr in meiner Disziplin- und Motivationskurve, sondern spulte mein Programm ab. Neben der Kalorienverbrennkomponente hatte der Sport den netten Nebeneffekt, dass ich ein probates Mittel zur Bewältigung der mentalen Belastung auf der Arbeit fand. Und meine Migräne fiel auch auf einen verschwindet geringen Anteil, im Vergleich zu früher.

 

Doch man muss auch viele Dinge beachten, die plötzlich auf einen niederprasseln. Menschen sehen, dass du dich gesund ernährst und Sport treibst. Und schütten dich als Dank mit Essen zu. "Komm', ein Stück Kuchen geht noch! Bei dem, was du verbrennst ist das doch kein Ding!"

 

ACHTUNG!, Dieser Satz ist des Teufels Werk, denn er verpfuscht einem die ganze Routine. Natürlich geht es, hier und dort mal etwas mehr zu essen. ABER! Nahezu alle Menschen in meinem Umfeld tickten (und ticken bis heute) so. Und wenn man jedem Gerecht wird, bleibt man hier auf der Strecke und nimmt wieder zu. Also, immer lächeln und winken... und danke sagen und ... nichts essen! :D

 

Das Rennrad holte ich im April 2014 beim Händler. Und es sollten 100 knüppelharte Tage auf dem Rennrad folgen. Mit allen Schikanen, die man sich so wünscht. Von Taube Nudel über gesprengte Kassette (nicht VHS ;-) bis Unterricht im "Wie fahre ich mit Klickies ohne wie ein nasser Sack umzufallen, Teil 1 von 37?"

 

*Anmerkung zum Bild: 45kg leichter, auf dem Weg zum Kauf meines ersten Rennrades. März 2014.

Siebtens - Katerstimmung auf der Waage

 

 

Ich erreichte mein Ziel und schoss sogar etwas darüber hinaus. Zwischenzeitlich reduzierte ich mein Gewicht auf 108kg und war wirklich dürr.

 

Ehrlich gesagt hat die Katerstimmung nicht nur auf der Waage stattgefunden.

 

Beginnen wir mal damit, dass es auf einmal nicht mehr darum geht, die Zahlen auf der Waage zu drücken, sondern so spröde Sachen wie "Gewicht halten" lernen muss. Nach 18 Monaten ständigen Bergabs ein echtes Thema. Ich musste lernen, Erfolge neu zu verstehen und zu sehen. Auf einmal ist man versucht, weiter machen zu wollen, weil einem das Glücksgefühl von "wieder 1kg weniger" fehlt. Passt bitte auf euch auf, dass ist eine extrem gefährliche Abwärtsspirale.

 

Mit den Erfolgen kommen auch Nebenwirkungen. Fangen wir mit der Haut an. Die hatte mitunter schwer gelitten und mir zurecht den Mittelfinger gezeigt. Nicht, dass ich schlimmste Schürzen am Bauch hatte, aber es war doch schon alles ordentlich labberig. Klar, ich hatte eine Richtung eingeschlagen, die sich mehr dem Ausdauer- als dem Kraftsport verschrieben hatte. Da konnte ich die neu geschaffene Luft nicht in dem notwendigen Maße mit Muskeln füllen. Aber schön war eben anders. Es fangen sich leider (oder zum Glück) Menschen an sich für dich zu interessieren, die mit 175kg einen Bogen um dich herum gemacht haben. Interessant. 

 

 

 

*Anmerkung zum Bild: Just White Party, Hessentag 2014 in Bensheim, 108kg...

Achtens - Was wäre wenn?

 

 

Nun bin ich im Leben des halb sportlich halb schlanken Menschen Benjamin angekommen. Und? Was nun?

 

Halten wir mal ein paar Dinge fest. Ich glaube, dass jeder Mensch, der Talent zum zunehmen hat, dieses auch nie mehr verliert. Stichwort "ich schaue die Pizza nur an und sie klebt auf meiner Hüfte" ;)

 

Nach meinem Unfall in 2015 und bedingt durch das Studium habe ich leider eine Delle bekommen, die mich 10kg gekostet hat. Und diese beschäftigt mich fortlaufend. 

 

Gewicht ist eben auch nicht alles. Und damit finden wir den Brückenschlag zu meinem kurzen und kritischen Fazit. Denn heute hätte ich einiges anders gemacht. 

 

Reden wir mal (Über-)Gewicht. Einerseits ist es toll, viele Kilos zu verlieren. Nur welche verlieren wir denn? Wasser, Fett oder Muskeln? Ich habe es nie so wirklich gewusst, denn meine Waage misst stumpf das Gewicht. Ein Fehler. Obwohl ich doch deutlich schwerer bin als zum meinem Zielpunkt, bin ich bspw. auf dem Rennrad nicht langsamer.

 

Dankeschön für dein Interesse! Komm‘ doch rüber in den Blog.

 

 

*Anmerkung zum Bild: Der letzte Geburtstag meiner Oma, 06.04.2015, 115kg